Norsk er lett – in der Theorie

Immer wieder werde ich gefragt, wie ich mit der Sprache zurecht komme. Die Antwort darauf ist gar nicht so leicht.  

Im Norwegisch-Kurs lerne ich fleißig Bokmål. Die erste Hürde wird genommen, wenn man begriffen hat, wie die Buchstaben ausgesprochen werden. Alles ist etwas anders, kaum etwas wird so ausgesprochen wie es geschrieben wird. Aus dem O wird ein U, aus dem U ein Ü, aus dem Å ein O usw. Das norwegische „Ich“ wird jeg geschrieben und jai ausgesprochen. Die Hälfte der Buchstaben wird dann noch verschluckt. So lernt man erst mal zwei „Sprachen“: das schriftliche und das mündliche. Man freut sich wie ein kleines Kind, wenn man endlich mal einen Satz korrekt hinbekommt. Um so enttäuschter ist man, wenn man sich mit den Einwohnern unterhält und merkt, dass man absolut kein Wort versteht. Woran liegt das?

Jeder Norweger kann Bokmål, aber nicht jeder spricht sie. Hier an der Küste schon mal gleich gar nicht. Man wird ja bereits im Vorfeld gewarnt, dass es jede Menge Dialekte gibt, die sich teilweise gravierend von der „Einheitssprache“ unterscheiden. Kristiansund und Umgebung tut sich da ganz besonders hervor. Also lerne ich nun im Alltag noch eine dritte „Sprache“, das Alltagsnorwegisch. Das ist quasi so, als lerne ich eine komplett andere Sprache.

Seit zwei Wochen spreche ich kein englisch mehr, damit ich noch schneller mich hier zurecht finde. Und es funktioniert. Die Kollegen wissen, dass sie mit mir besonders deutlich sprechen müssen und das tun sie auch. Sie sind sowieso alle furchtbar nett und hilfsbereit. Eine Kollegin telefoniert für mich rum, da ich am Telefon keine Chance habe, den Gesprächspartner zu verstehen. Vor allen, wenn er wie der letzte, den schlimmsten Dialekt spricht, den man sich vorstellen kann. Sogar die Kollegin hatte Mühe, ihn zu verstehen. Das hat mich dann wieder etwas froher gestimmt: wenn die Norweger untereinander auch Mühe haben, sich zu verstehen, dann liegt es nicht nur an mir😀

Zu guter Letzt noch etwas Positives: die norwegische Grammatik ist dafür um so einfacher. Deutsch lernen wäre wesentlich schwieriger. Die Wörter selber ähneln oft dem Deutschen oder dem Englischen. Vieles kann man ableiten. Das Geschriebene verstehe ich dadurch bereits sehr gut. Quasseln tu ich, wie mir grad der Schnabel gewachsen ist, dann nimmt man noch die Hände und Füße zu Hilfe und schon versteht man sich.

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