Das Leben ist ein ruhiger Fluss

So könnte man mein derzeitiges Leben beschreiben. Wären da nicht die Sonntage, die alles verändern.

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Unter der Woche habe ich nicht viel zu tun. Hausfrau eben. Ohne Kochverpflichtungen, das übernimmt Männe. Für die Wäsche gibt es Maschinen und Trockner. Diese Mühsal bleibt mir also auch erspart. Was tun den lieben langen Tag? Außer norwegische Vokabeln zu pauken? Sudoku. Ewig habe ich mich gewehrt, wollte nicht teilhaben an diesem Trend. Und nun hat es mich doch erwischt. Täglich hocke ich über Zahlenreihen und versuche, alle möglichen Arten von Sudoku zu lösen. Ich vermisse dabei nicht mal einen Fernseher oder das liebe Internet. Jetzt zählen nur noch Zahlen.

Und dann kommen die Sonntage. Weg mit dem langweiligen Kram. Raus ins Grüne. Noch besser, raus ans Meer. Bewaffnet mit zwei Angeln wagen Männe und ich uns auf Felsvorsprünge, die kaum Halt geben. Unter uns nur Wasser. Gegen uns der Wind, der dann doch verhindert, dass wir in die Untiefe stürzen, so stark bläst er. Zu stark für mich. Wir sind definitiv falsch gekleidet für diesen Ausflug. Ich friere und fröstel. Keine zweihundert Meter weg von den Fischen hört der Wind auf, ich weiß das und zitter nur noch mehr. Denn heute ist unser Ziel, das Mittagessen selbst zu jagen und nicht den Supermarkt zu stürmen. Dabei hat der auch auf und viel Fisch im Angebot. Ich verzieh mich also hinter einen Felsen, was sag ich, neben einen. Immerhin. Der Stein im Rücken ist warm und so kann kein Wind mehr an diese meinige Seite. Von vorn knallt die Sonne auf die schwarze Jacke, dummerweise im Wettstreit mit dem Wind. Es ist klar, wer gewinnt. Ich fange an zu jammern. Derweil kämpft der Jäger und Sammler unter uns mit den Meeresungetümen. Leider wollen die nicht so, wie er will. Genügend Fische versammeln sich am Haken, doch spätestens wenn man sie einen Meter aus dem Meer gezogen hat, springen sie lustig davon. Ganze zwei haben es dann doch noch ans Land gebracht. Einen habe ich vor lauter Mitleid wieder ins Meer schmeißen lassen. Er hat es überlebt, sich bei uns bedankt und ist von dannen geschwommen. Wenn der wüsste. Wachse noch ein bisschen, wir kommen wieder. So blieb uns nur ein Fisch. Der männliche Ehrgeiz war geweckt. Wenigstens zwei sollen in der Pfanne landen. Und da ist tatsächlich wieder einer am Haken, springt auf die Felsen, schliddert weg, will wieder ins Wasser, Männe hinterher. Schock. Männe weg. Zur Erinnerung: wir stehen auf einem klitzekleinen Vorsprung direkt überm Meer, genauer gesagt Europäisches Nordmeer. Mit wahnsinniger Brandung. Hatte ich den Wind erwähnt? Männe immer noch weg. Da muss ich doch tatsächlich meinen Sitzplatz verlassen, nur um herauszufinden, ob ich jetzt Witwe bin oder Männe sich irgendwo festhalten konnte. Kurz: ihr müsst keine Beileidsbekundungen schicken. Er hat es überlebt. Der Fisch auch. Wie kann man so blöd sein und einem dämlichen Fisch hinterher springen? Nach erleichterten und dennoch zornigen Worten sind wir gen Heimat aufgebrochen, um uns aufzuwärmen und die Fangesbeute zu verspeisen. Hier greift wieder das Kochgebot. Männe kümmert sich um Ausnehmen, Entgräten, Braten. Das holde Weib darf essen😀

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Der restliche Tag verlief dann wieder ruhiger. Bis zum Abend. Ich konnte endlich meinen geschätzten (wenn er nicht grad einem Fisch nachspringt) Anhang überreden, mit mir ins Kino zu gehen. Die Hard 4.0 war angesagt. Beim Ticketkauf musste ich feststellen, dass es ein sehr kleiner Saal ist. Die meisten Plätze waren bereits weg. Nur noch die erste Reihe war komplett frei und in der zweiten Reihe Platz vier und fünf, neben sämtlichen Randplätzen. Vier und fünf klingt gar nicht so schlecht, wenn die Reihe sowieso nur zwölf Plätze hat. Die Überraschung folgte prompt. Werbung lief schon – wie gut, dann dauert es nicht mehr solange, bis der Film starten kann. Der Saal sehr sauber, die Sitze waren entweder fast neu oder sehr gepflegt. Viel Platz. Guter Sound. Ich hatte schlimmes befürchtet (ich sag nur Brotfabrik). Sobald man sich in die Sitze legt, geben diese nach hinten nach. Wie geil. So kann man auch in den vorderen Reihen bequem sitzen und bekommt keine Nackenstarre, man legt sich einfach schräg in den Sitz. Den Film selber will ich hier gar nicht groß besprechen. Er ist nicht schlecht, Männe hat er auch gefallen. Nur war uns der Schnittwechsel einfach zu schnell. Oft hat man nicht gesehen, was wer wie macht. Sehr schade. Darüber hinaus konnte ich den Beweggrund für den Fire Sale überhaupt nicht nachvollziehen. Wie auch immer, kurz vor elf waren wir wieder draußen. Männe machte noch Witze: jetzt ist es bestimmt schon dunkel. Wäre es wohl auch, wenn wir nicht grad hier oben im Norden wären.🙂

4 Antworten zu Das Leben ist ein ruhiger Fluss

  1. nefret sagt:

    wow, du hast es tatsächlich geschafft, ihn ins kino zu schleppen? respekt!

  2. maini sagt:

    Ich bin so stolz auf ihn😀

  3. Isegrimm sagt:

    Man nennt ihn Flipper, Flipper…
    Er ist tatsächlich ins Meer gesprungen?
    Ach du Deibel!
    Kannst du schon norwegisch fluchen?

  4. maini sagt:

    Er konnte sich noch abfangen. Wenn er ins Meer gesprungen/gefallen wære, wære es wohl vorbei gewesen. Die Brandung hætte ihn gegen die Felsen geworfen. Festhalten wære nicht drin gewesen. Von daher war das wirklich eine seeeeeeeehr unangenehme Situation gewesen. Aber so haben wir wenigstens was zu erzæhlen😀

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