Dreilænderfahrt

Am Donnerstag froh und munter in Gelsenkirchen gestartet (Isegrimm berichtete live), musste ich lediglich 1680 km Autofahrt und sechs Stunden Fähre hinter mich bringen, um am Freitag vollkommen fertig in Kristiansund anzukommen.

Die Strecke durch Deutschland über Hamburg mit Ziel Flensburg kannte ich bereits aus früheren Fahrten und gestaltete sich entsprechend einfach. Nur einmal habe ich mich verfahren, da war ich allerdings noch im Gelsenkirchener Raum. Quasi Startgebiet.😀 Das Wetter war miserabel, ich bin zwei Drittel der Strecke im Regen gefahren, als Ausgleich gab es keinen Stau. Da ich die Fahrt ruhig angehen wollte, habe ich des öfteren eine kleine Pause eingelegt, ich hatte ja massenhaft Zeit. In Flensburg wollte ich ursprünglich in die City fahren und mir einen gemütlichen Platz zum Ausruhen suchen. Ich blieb dann jedoch im Citti-Park hängen, ging noch mal shoppen (Mohabbatein für 9.90 Euro, da musste ich zuschlagen😀 ) und stellte nach zwei Stunden fest: mir ist langweilig. Was tut man? Man ruft Freunde an und verabschiedet sich.

Am frühen Nachmittag fuhr ich weiter. In Dänemark wartete prompt der erste Stau auf mich. Eine dreiviertel Stunde ging es nun stopp-and-go vorwärts. Irgendwann bekam ich einen Krampf vom ständigen Kuppeln und mich verließ die Lust. Die Stauursache war wohl ein Zusammenführen zweier Autobahnen. Sonst nix. Dabei hatte ich nichts gegen einen Stau. Ich wusste, ich war viel zu früh unterwegs. Viele Kilometer später kam ich völlig ereignislos in Hirtshals an und fand auch noch die Fähre auf Anhieb. Zumindest das Gelände der Fähre. Sah alles ziemlich unwegsam aus. Ich machte also wieder kehrt und parkte vor dem nahegelegenen Hotel Skaga. Dort erkaufte ich mir gegen ein Glas Rotwein einen Sitzplatz in der Lobby und machte es mir für eine Stunde gemütlich. Drei Stunden lagen immer noch vor mir und selbst dann wäre ich eine Stunde zu früh beim Check-in. Eine Stunde vertrieb ich mir lesend auf einem Parkplatz in Hirtshals, noch eine Stunde auf dem Parkplatz vor dem bekannten Hotel. Immer noch lesend. Die Sommersonne machte es möglich. Langsam wurde es dunkel, es war kurz nach elf und ich machte mich auf den Weg zur Fähre. Niemand zu sehen, also parkte ich solange, bis ein paar Autos auftauchten, denen ich und noch ein weiterer Unschlüssiger folgten. Siehe da, wir waren bei weitem nicht die ersten. Einchecken, einparken und warten. Letzteres stundenlang. Die Fähre hatte zudem eine Stunde Verspätung. Also noch länger warten. Todmüde sackte mir immer wieder der Kopf weg, nur um Sekunden später wieder nach oben gerissen zu werden, da ich träumte, man hätte mich vergessen. Irgendwann gegen drei war ich dann endlich in meiner Kabine. Klein, aber fein. Die Bettwäsche war schön kuschlig warm, das Bett verschaffte mir durch die kräftigen Vibrationen des Schiffes eine ordentliche Massage, das Wasser donnerte gegen die Schiffswand. Kurz: an Schlaf war nicht zu denken. Viertel nach sieben ertönte der Weckruf mit der Aufforderung, sich beim Frühstücksbuffet sehen zu lassen. Ich holte mir einen Muntermacher, fand die Raucherecke, wenig später auch das Außendeck und genoss bei strahlendblauen Himmel meine Ankunft in Langesund.

Die Autofahrt durch Norwegen verlief ruhig und langsam. Hier macht es sich bemerkbar, wenn man nur 70 und 80 km/h fahren darf. Und das auf Hunderten von Kilometern. Auf der Autobahn darf man inzwischen 100 km/h fahren. Nur nutzt das nix, wenn die Autobahn selbst nur ein paar Kilometer lang ist. Von Langesund bis Lillehammer wird fleißig geblitzt. In den meisten Fällen wird dies auch angekündigt. Ansonsten ist ein Süd-Nord-Gefälle zu beobachten, was die Bereitwilligkeit der Geschwindigkeitsübertretung betrifft. Hier oben wird viel schneller gefahren. Die Straßen in Norwegen sind sehr kurvenreich und man kriecht einfach nur dem Vordermann hinterher. Überholen hätte nix gebracht, denn die Autoschlange reichte von Langesund bis Lillehammer. Ich hatte zwischendurch unheimliche Mühe, meine Äuglein offen zu halten, und überlegte mehrere Stunden, ob ich mir nicht doch ein Zimmer nehmen soll. Über diese Überlegungen habe ich wieder ein paar km hinter mich gebracht. Nach Oslo rein habe ich super gefunden. Bis hier her hatte mich die Wegbeschreibung vom ADAC geführt. Nur aus der Stadt raus fand ich nicht mehr. Nach einer Stunde suchen, zwei Nervenzusammenbrüchen, drei Passantenbefragungen, vier Weinkrämpfen, dreimal die gleiche Strecke abfahren und immer wieder am Ausgangspunkt rauskommen, hatte mir der letzte Passant den Tip gegeben, die Wegbeschreibung wegzuschmeißen und wieder zurück auf die Autobahn E 18 zu fahren, dann die Ausfahrt Oslo-Zentrum zu nehmen, schön auf der Straße zu bleiben, links halten, durch zwei Tunnel zu fahren und schon kommt von ganz allein meine Autobahn E6. Und sie kam wirklich. Hallelujah. Nirgends war sie ausgeschildert. Dabei führt diese Autobahn u.a. am Flughafen vorbei und ist die Hauptstraße in den Norden. So richtig in den Norden. Ich durfte rund 500 km auf ihr fahren. Die Strecken sind übrigens fantastisch. Durch Felsen, durch Wälder, entlang von Fjorden, grüne Landschaft wohin das Auge blickt. Und was für ein grün. Alle Fassetten, die nur irgend möglich sind. In den Bergen liegen noch Schneereste. Die Temperaturen betrugen im Schnitt überall 16° C und es war überall bewölkt. Nur in den Bergen wurde es kühler (12° C). Rund um Oppdal musste ich dann ziemlich hoch hinauf. Und hier traf ich das erste Mal auf Straßen, die geradeaus gingen. Und auf Autofahrer, denen es nicht reichte, 10 km/h schneller zu fahren als erlaubt. Unter dem Einfluss der Höhenluft wird man schneller. Der Tacho zeigt schon mal mehr als 120 km/h an. Im Land der absoluten Geschwindigkeitsbegrenzung. Irgendwann muss man den Berg natürlich auch wieder runter. Eine Serpentine nach der anderen. Ich war endlich gefordert und somit putzmunter. Nochmal an irgendwelchen Fjords vorbei, durch einen Megatunnel (Lieber ADAC, hier ist übrigens Maut fällig, ganze 68 NOK.) und ich war in Kristiansund. Die Sonne war die Erste, die mich hier begrüßte. Mit Ach-und-Krach habe ich das Auto noch abgestellt, mein gesamter Körper tat weh, die Augen wollten mir wieder zufallen, ich träumte von einem Bett, klopfte an die Wohnungstür und wurde liebevoll in den Arm genommen. Denkste. Keiner da. Den klitzekleinen Tobsuchtsanfall, den ich an dieser Stelle gerne bekommen hätte, musste ich mir aufgrund totaler Schwäche leider entsagen. Was tun, wenn das eigene Handy in diesem Land nicht funktioniert und keiner da ist? Man geht zu Bekannten und lässt von dort aus anrufen. Selbiger war über die Maßen erstaunt, dass ich bereits eingetroffen bin. Männe tauchte drei Minuten später auf. Ende gut, alles gut.😀

4 Antworten zu Dreilænderfahrt

  1. nefret sagt:

    puh, dann ist es ja ein glück, dass du trotz schlafmangel heil angekommen bist

  2. Isegrimm sagt:

    Heulkrämpfe?

    Wenn ich das auch nur entfernt geahnt hätte, ich hätte dich doch noch mal angerufen.
    Und ich hätte für dich auch stellvertretend einenTobsuchtsanfall bekommen.
    Oder mir einen angehört.
    Du bist so tapfer.
    Ich hätte mir das nie im Leben zugetraut.

  3. maini sagt:

    Die Fahrst selber war nicht so schlimm. Nur dass ich absolut k.o. war. Und mein Handy hier pløtzlich gar nicht mehr funktioniert. Ich konnte nicht mal Mænne erreichen und er mich nicht. Aber nun ist alles vergessen und ich ruh mich aus. Zeit habe ich ja massenhaft.😀

  4. […] So schnell kann es gehen. Vor einem Jahr habe ich die Fahrt nach Norwegen angetreten (nachzulesen hier). Wie die Zeit verfliegt. Was haben wir geschafft? Was wollen wir noch […]

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