Dracula – Bram Stoker

Nachdem ich angefangen hatte, das Buch Dracula zu lesen, musste ich feststellen, dass ich so einiges durcheinanderbringe. Filme und Legenden wurden mit dem Buch zu einem verknüpft. So machte ich mich auf die Suche nach weiteren Informationen. Wer war Bram Stoker, wann lebte er, wie kam er auf die Idee, einen Vampir zu erschaffen, war er der erste, wer war Vlad III, wie steht er im Zusammenhang mit Dracula, wo sind die Fledermäuse, wer hat bezugnehmend auf das Buch den größten Blödsinn verfilmt etc. Ich werde hier im Folgenden nicht alle Fragen klären, aber die für mich wichtigsten. Beim Schreiben ergab sich dann leider ein kleines Durcheinander, da mir immer wieder Stichpunkte einfielen, die ich unbedingt noch mit reinnehmen wollte ohne ein Extra-Kapitel daraus zu machen. Nun denn, ihr findet also hier eine kleine Inhaltsangabe, ein paar Infos zu Bram Stoker, wichtige Grundsätze im Umgang mit Vampiren und Aufklärung über die Beziehung zwischen Dracula und Vlad. Ich bitte im Voraus um Verzeihung für die Länge: kürzer ging es beim besten Willen nicht. Eigentlich wäre das hier noch viel länger geworden, wenn ich wirklich alles, was mir wichtig erschien, hier reingenommen hätte.

Review:

Jonathan Harker macht sich auf den Weg von England in die Karpathen, um mit Graf Dracula Geschäfte abzuwickeln. Faszinierend wird seine Reise durch die fremden Lande beschrieben. Das kommende Unheil wird durch die besorgten und aufgeregten Wegebegleiter heraufbeschworen. Dennoch kommt der junge Anwalt heil im Schloss seines Gastgebers an. Während beide die Nächte mit Geschäften verbringen, muss Jonathan sich eines Tages eingestehen, dass er ein Gefangener ist. Er kommt dem Geheimnis von Dracula und seinen drei Bräuten auf die Spur. Somit scheint eine Rückkehr ausgeschlossen.

Dr. John Seward, Leiter der neuen Nervenheilanstalt in Whitby, beschäftigt sich intensiv mit dem Patienten R.M. Renfield. Der Wahnsinn von Renfield beinhaltet eine gewisse Methodik. Er sammelt verschiedene Tiere, deren er habhaftig werden kann, und hält sie am Leben. Mit den Fliegen füttert er die Spinnen, die Spinnen wiederum werden an eingefangene Sperlinge verfüttert. Schließlich entwickelt er sich zum Zoophagen. Renfield ist davon überzeugt, dass er „durch Verzehren lebender Wesen … sein Leben bis ins Ungemessene verlängern könnte“. Auf die Frage, ob er die Seelen in sich aufnehmen würde, antwortet Renfield entsetzt: „ O nein, Ich brauche keine Seelen. Leben ist alles, dessen ich bedarf.“ Er fürchtet sich regelrecht davor, mit Seelen von irgend etwas belastet zu werden. Er will lediglich das Leben anderer aussaugen und schreckt auch nicht vor Menschen zurück, falls er einen in die Finger bekommen sollte.

Mina Murray, Jonathan Harkers Verlobte, besucht ihre gute Freundin Lucy Westenraa in Whitby. Diese gedenkt, Arthur Holmwood zu ehelichen. Während Mina sich immer mehr Sorgen um ihren Jonathan macht und Lucy anfängt, schlafzuwandeln, nimmt ein scheinbar steuerloses Schiff Kurs auf Whitby. Mitten in einer stürmischen Nacht strandet das Schiff im Hafen. Zu aller Entsetzen findet man am Steuer einen toten Mann, der sich dort selbst festgebunden hat. Die Ankunft von Graf Dracula ist erfolgt.
Bei einem von Lucys Nachtwanderungen macht sie Bekanntschaft mit Draculas Zähnen. Von Stund an wird ihre Gesundheit immer schlechter. Ihr guter Freund Dr. Seward ist ratlos und ruft seinen Lehrer Van Helsing zu Hilfe. Dr. med. Dr. phil. Dr. lit. etc. Abraham Van Helsing lebt in Amsterdam, ist Spezialist auf dem Gebiet rätselhafter Krankheiten, darüber hinaus Philosoph und Metaphysiker, kurz: einer der fortschrittlichsten Wissenschaftler seiner Zeit. Allen zum Trotz stirbt Lucy. Zur gleichen Zeit taucht Jonathan Harker wieder auf und noch während seiner Genesung heiratet er Mina.

Nachdem alle Protagonisten feststellen, dass hinter all dem Übel der Graf Dracula steckt, schließen sich Herr Morris, Arthur Godalming, Dr. Seward, DDr. Van Helsing, Jonathan Harker und seine Frau Mina zusammen, um gemeinsam den Kampf gegen Dracula aufzunehmen.

Wer glaubt, dass hier das Abenteuer zu Ende ist, täuscht sich. Jetzt beginnt es erst. In der ersten Hälfte des Buches werden die einzelnen Persönlichkeiten und die Abgründe von Dracula vorgestellt. In der zweiten Hälfte wird die Zerstörung des Blutsaugers angegangen.

Ich halte nach wie vor Stokers Roman für eine faszinierende Geschichte. Ein Buch, dass sich, obwohl man das Ende kennt, spannend liest. Interessant vor allen, wie Stoker die Frauenrollen beschreibt. Hier darf eine Frau der Held sein. Ich spreche von Mina. Da Stoker leicht erotische Anekdoten mit einflechtet, erschien das Buch wohl vorerst in einem gelben Umschlag, ein Zeichen der damaligen Zeit dafür, dass es sich um ein pornografisches Werk handelt. Ganz so wild geht es dann doch nicht zu. Immer wieder stolpert man über Menschen, die sich in Trance befinden und nicht bewegen können. Offensichtlich schreibt Stoker von seinem Kindheitstrauma. Bis zu seinem achten Lebensjahr war er schwer krank. Er konnte weder alleine stehen noch gehen. Seine Krankheit sowie seine Genesung waren Wunder der damaligen Zeit. Er schaffte es immerhin noch zum Fußballstar seines Colleges, wo er Geschichte, Literatur, Mathematik und Physik studierte. Später kamen noch die Rechtswissenschaften hinzu. Kein Wunder, dass sein Held Jonathan Harker Anwalt ist. Er selber identifizierte sich wohl eher mit seinem Superhelden Van Helsing, dessen Vorname Abraham ist (Bram ist die Abkürzung von Abraham). Nebenbei arbeitete Stoker als Theaterkritiker und Magazinherausgeber und wurde 1878 Manager des Shakespearedarstellers Henry Irving. In seiner Freizeit verfasste Stoker zehn Romane. Dracula wurde erst nach seinem Tod durch diverse Verfilmungen (die erste von 1922 Nosferatu) berühmt. Er selber starb in bescheidenen Verhältnissen.

Nachdem ich im Laufe der Zeit einige Infos über Dracula gelesen hatte und auch einige Filme gesehen hatte, wusste ich nicht mehr, was ist wirklich das Original und was habe ich dem Buch angedichtet. Wie so viele andere wohl auch, habe ich der Geschichte Bram Stokers einiges hinzugefügt, was er gar nicht geschrieben hat. Das betrifft vor allen die Eigenschaften von Vampiren und geht bis zur Behauptung, das Buch basiere auf Vlad III, auch Pfähler genannt.

Fangen wir mit den Vampiren und ihren Eigenschaften – in Bezug auf Stokers Roman – an:

Unwahrheiten:
o Graf Dracula wird durch einen Pflock durch das Herz zerstört. (Er wird durch ein Messer getötet und verfällt zu Staub.)
o Dracula kann nicht ins Sonnenlicht. (Er kann tagsüber unter seinem ihm auferlegten Bedingung erscheinen.)
o Nosferatu ist das rumänische Wort für Vampire.
o Vampirfledermäuse sind ein Phänomen der Karpathen.
Draculas Eigenschaften
o Er ist potentiell unsterblich
o Er überlebt durch das Blut anderer
o Er hat die Stärke von 20 Männern
o Er kann die Form von Wölfen und Fledermäusen annehmen
o Er kann als Nebel erscheinen
o Er wird nicht im Spiegel reflektiert
o Er besitzt keinen Schatten
o Er hat hypnotische Macht über seine Opfer und kann diese in Vampire verwandeln
Draculas Einschränkungen
o Er kann ein Haus nur mit Einladung des Besitzers betreten
o Er verliert seine übernatürlichen Kräfte während des Tageslichts
o Er muss auf der Erde seiner Heimat schlafen
o Er kann fließende Gewässer nur bei Ebbe und Flut passieren
o Er kann durch Knoblauch und heilige Symbole (Kreuz, Heiliges Wasser, Hostie) abgewiesen werden
o Er kann durch einen Pflock durch sein Herz und Enthauptung zerstört werden

Die Legende um Vlad III:

Wie man fleißig in Wikipedia nachlesen kann, traf Stoker 1890 den ungarischen Professor Arminius Vambery, der ihm von der Legende des rumänischen Prinzen Vlad III. Draculea erzählte. Aus diesem Charakter hätte Stoker dann seine Figur entwickelt und sieben Jahre lang am Buch gearbeitet, während er die Kultur auf der Balkaninsel und die historische Figur Vlad studierte. Als Quellen für Stokers Recherche werden einige damalig erhältliche Bücher angegeben.

Es ist Fakt, dass Stoker im März 1890 sich für einen Vampirroman entschieden hat und der Name seiner Titelfigur sollte Graf Wampyr genannt werden. Im Sommer 1890 lieh er sich das Buch An Account of the Prinicpalities of Wallachia and Moldavia von William Wilkinson aus und stieß dort auf den Namen Dracula. Wilkinson nannte den Helden der Geschichte, einen Vater, so. Bedeutend allerdings an dem Namen ist eine Fußnote in Wilkinsons Buch, wo der Name erklärt wird: Dracula bedeutet in der wallachischen Sprache Teufel. Wilkinson spricht immer nur von Dracula und Woiwode, nie von Vlad, Vlad Tepes oder vom Pfähler. Ein weiterer Fakt ist, dass Stoker den Professor Vambery zweimal traf. Einmal im April 1890 – bevor er das Buch von Wilkinson las und somit den Namen Dracula noch nicht parat hatte – bei einem Dinner anlässlich des Theaterstückes The Dead Heart mit dem Starschauspieler Henry Irving. Aus Stokers Notizen geht lediglich hervor, dass der Professor voller faszinierender Geschichten über eine Reise nach Zentralasien war. Das zweite Mal traf er ihn auf einer Vorlesung in Dublin und erwähnt ihn als bestens Sprecher (über Russische Aggressionen). Nichts über Dracula, obwohl Stoker nun schon seit zwei Jahren den Namen für seine Figur verwendet. Trotzdem taucht in diversen Berichten die Beziehung zwischen Vambery und Stoker auf, u.a. ein angeblicher Schriftwechsel, der jedoch nicht belegt werden kann und somit in das Reich der Spekulationen verschoben werden muss,

Immer wieder liest man auch, dass Stoker die Physiognomie Draculas bei Vlad abgeschrieben hätte. Entweder von vorhandenen Bildern oder aus Pamphleten. Fakt ist, dass genau diese Beschreibung in der gothischen Literatur an der Tagesordnung war. Desweiteren kommt die Zeile „eyebrows almost meeting over the nose“ aus Baring-Goulds The Book of Were-wolves.

Kommen wir zum Pfählen. Wenigstens das muss doch Stoker von Vlad übernommen haben. Oder doch nicht? Lang bevor Dracula entstand, gab es in der Folklore und in früheren gothischen Erzählungen die Tradition, Vampire zu pfählen. Es war also nichts Neues in der Literatur.

Worüber sich die Kritiker immer wieder in den Haaren liegen, ist die offensichtliche Ungereimtheit der Historie von Dracula/Vlad. Wieso hat Stoker, wenn Dracula doch auf Vlad basiert, aus einem Woiwoden einen transylvanischen Grafen gemacht? Warum ist Dracula ein Adelsmitglied, gegen die Vlad doch ankämpfte? Warum ist Dracula ein Abkömmling von Attila, während Vlad ein Wallache ist? Mögliche Antwort: weil der Graf Dracula einfach Graf Dracula ist, während Vlad Tepes nur Vlad Tepes ist.

Wieviel wusste also Stoker wirklich über den historischen Dracula? Material war genügend vorhanden. Man schaue nur mal in kleine Liste bei Wikipedia. Laut seinen Aufzeichnungen hat eine ganze Anzahl von Büchern und Artikeln gelesen. Dabei hat er Fakten und Vermutungen einfach übernommen, ohne diese zu überprüfen. Er hat dadurch ein Werk geschaffen, dass zwar den Eindruck erwecken könnte, dass er wisse worüber er schreibt, welches aber in Wahrheit von Fehlern nur gespickt ist. Letztendendes hat er ja auch nur einen Unterhaltungsroman schreiben wollen und keine wissenschaftliche Arbeit. Darüber hinaus schrieb er das Buch in seiner Freizeit. Nirgends in seinen Notizen ist auch nur ein Wort über Vlad zu finden.

Quellen:
Dracula, Das Buch, mit dem alles seinen Anfang nahm, Bram Stoker (Carl Hanser Verlag, 1992)
The Shade and the Shadow, Elizabeth Miller (Westcliff-on-Sea: Desert Island Books, 1998)
Draculas Homepage

Wikipedia

3 Antworten zu Dracula – Bram Stoker

  1. nefret sagt:

    tolle recherche
    wie lange hast du daran gesessen?

  2. maini sagt:

    Frag nicht – Wieso hab ich überhaupt recherchiert? Früher hat man einfach das Buch gelesen und fertig. Heute muss man immer das ganze noch ausweiten. Bei den Quellen hab ich paar Internetseiten weggelassen, die ich nicht zitiert habe. Ich glaube, das Buch ging noch am schnellsten zu lesen.😀

  3. Oliver sagt:

    Ja, schöner Eintrag.

    Ich habe den Roman „Dracula“ schon 3-4 Mal gelesen und das soll was heißen, weil ich Romane ungern mehrfach lese. Ich finde den Text nach wie vor sehr kurzweilig und fesselnd.

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